Unsere Praktikantin Marie möchte später einmal in der Werbebranche arbeiten. Privat engagiert sich die Schülerin bei “Fridays for Future”, lebt vegan und kauft aus zweiter Hand. Passt das zusammen, hat sie sich gefragt und Urkind Media Geschäftsführerin Rebecca Schwab zum Interview gebeten.

Kann Werbung umweltfreundlich sein?

Nein. Aber weniger umweltschädlich.

Warum überhaupt Werbung?

Wer nicht wirbt, stirbt. So abgedroschen dieser Spruch ist, so wahr ist er auch. Werbung ist für Unternehmen und Marken existenziell. Doch nicht jeder mögliche Werbekanal ist für jedes Vorhaben gleich gut geeignet. Deshalb sollte eine Zielgruppenanalyse vor allem stehen. Mit einer darauf basierenden Strategie kann man langfristig Zeit, Geld und wertvolle Ressourcen sparen.

Also nicht wild drauf los zehntausende Flyer drucken lassen?

Zum Beispiel. Hier droht ein hoher Streuverlust. Wer Flyer wahllos auslegt oder verteilen lässt, kann damit rechnen, dass hiervon ein Großteil in der Tonne oder gar in der Umwelt, nicht aber bei potenzieller Kundschaft landet.

Apropos Flyer – ist Print nicht längst tot?

Ganz und gar nicht. Noch immer ist Printmarketing ein Schwergewicht in der Unternehmenskommunikation und kann mit einer durchdachten Strategie die Bekanntheit und den Umsatz steigern.

Und wie funktioniert Printmarketing, das weniger umweltschädlich ist?

Ich rate gerne zur Zusammenarbeit mit einer lokalen Druckerei, welche sich im Idealfall bereits für den Umweltschutz einsetzt, etwa Papierabfälle recycelt und Ökostrom nutzt. Hierdurch können außerdem lange Transportwege vermieden werden. Auch kann die Wahl des Papiers sowie der Druckfarben entscheidend sein und auch die Höhe der gedruckten Auflage – womit wir wieder bei den Streuverlusten wären. Zuletzt sollte man über einen CO2-Ausgleich nachdenken.

Ist Onlinemarketing umweltfreundlicher?

Nicht unbedingt. Oftmals ist sogar das Gegenteil der Fall. Es ist ein Trugschluss zu denken, dass man automatisch die Umwelt schont, indem man beispielsweise ein E-Paper anstelle einer gedruckten Zeitschrift liest bzw. diese verbreitet. Das Internet verbraucht unheimlich viel Strom und dieser muss zunächst gewonnen werden. In Deutschland stammt leider nur ein kleiner Teil davon aus erneuerbaren Energieträgern. Nicht vergessen darf man auch, dass die Endgeräte, mit denen man auf Onlinemedien zugreift, zunächst hergestellt und später entsorgt werden müssen – beides sind zusätzliche Belastungen für die Umwelt.

Gibt es Möglichkeiten, umweltfreundlicher im Internet unterwegs zu sein?

Zahlreiche, ja. Dazu haben wir einen übersichtlichen Blogbeitrag geschrieben…

Sollte jemand wie ich lieber nicht in der Werbewelt Fuß fassen?

Doch, unbedingt! Es braucht in dieser Branche Visionäre und Querdenker, Menschen die etwas in Sachen Umwelt- und Klimaschutz bewirken wollen. Green Washing kann jeder – doch das sollte nie das Ziel sein. Echtes Green Marketing muss gelebt werden.